Florence Foster Jenkins – Filmkritik

Bewertung: 3/10
Kurz: Eine Komödie auf Kosten einer kränkelnden Frau – das rettet auch Meryl Streep nicht mehr.
Kinostart: 24. November 2016

Florence Foster Jenkins hätte immer gerne Musikkarriere gemacht, nur leider fehlt ihr jegliches Gefühl für Rhythmus und Töne. Dank ihrem Millionenvermögen schafft sie es trotzdem auf die Bühne. Und dank ausgewähltem Publikum und durch Bemühen ihres Gatten ohne Kritik an ihrem Talent. So geht sie als schlechteste Sängerin der Welt in die Geschichte ein.

Ein Filmstoff, der sich geradezu zur Komödie eignet, dachte sich wohl auch Regisseur Stephen Frears. Und tatsächlich erntet der Film nicht mal so schlechte Kritiken, mit 7/10 Sternen auf «IMDb» oder 4,3/5 auf «Cineman». Nur leider würde sich die Lebensgeschichte von Florence Foster Jenkins eher für ein Drama eignen – weshalb der Film aus meiner Sicht absolut durchfällt.

Syphilis und Schädigung des Gehörs

Was wäre euch lieber: Wenn euch jemand sagt, dass ihr schlecht singt, oder wenn ihr vor Publikum auftretet, euch alle zujubeln und anschliessend hinter vorgehaltener Hand über euch und euren Gesang lachen? Aus meiner Sicht, wird die Person Florence Foster Jenkins in diesem Film genau so vorgeführt, wie sie es zu Lebzeiten durchmachen musste – nur hier als Komödie betitelt, man darf also offiziell lachen. Macht es das besser?

Die echte Florence Foster Jenkins galt im Kindesalter als musikalisches Ausnahmetalent am Piano. Ihr Wunsch, Gesang zu studieren, wurde ihr jedoch vom Vater verwehrt. So heiratete Jenkins stattdessen bereits im Alter von 17 Jahren, und steckte sich bei ihrem ersten, untreuen Ehemann mit Syphilis an. Die Behandlung der Krankheit mit Quecksilber führten bei ihr nicht nur zu Haarausfall, sondern, so wird vermutet, auch zu einer Schädigung ihres Gehörs und des zentralen Nervensystems, mit entsprechendem Einfluss auf ihren Gesang. Trotzdem sagte ihr niemand, wie schlecht sie nun sang, als sie nach der Trennung von ihrem Mann – dank ihrer neugewonnenen Freiheit durch eine Erbschaft – doch noch eine Gesangskarriere anstreben konnte. Vielmehr scharten sich die «Bewunderer» um sie. Oder die Geier um ihr Millionenvermögen. Bezeichnend dann auch die Umstände ihres Todes. Um nicht zu viel zu verraten: Die ganze Lebensgeschichte ist für Interessierte auf Wikipedia frei zugänglich.

Nun kann man mir jeglichen Humor in Abrede stellen – aber braucht es wirklich eine Komödie, bei der man sich über eine solche Lebensgeschichte lustig macht? Vielleicht könnte man entschuldigend anführen, dass Stephen Frears da und dort versucht, auch ernste Töne anzuschlagen. Beim Publikum – zumindest bei diesem, mit dem ich im Kino sass – kommen jedoch einzig die komödiantischen Töne an. Da hilft auch das schauspielerische Talent von Meryl Streep nichts mehr, welches hier übrigens ebenfalls nur teilweise überzeugend ist.

Oscar-Chancen

Wie fast immer, wenn Meryl Streep irgendwo mitspielt, wird sie auch gleich für einen Oscar gehandelt. Hier aus meiner Sicht zu unrecht. Falsch zu singen erfordert zwar tatsächlich Talent und Streep geht in ihrer Rolle sichtlich auf. Aber ihr hätte ich es zugetraut, dass sie zumindest auch ein wenig Tragik in die Figur bringt – vielleicht durfte sie einfach nicht.

Fast die grösseren Chancen auf eine Nominierung kann sich Hugh Grant in der Rolle von Jenkins zweitem Ehemann und Förderer machen. «Variety» oder auch AwardCircuit.com sehen ihn weit vorne. Was soll ich über Hugh Grant sagen? Immer der gleiche Gesichtsausdruck wie in all seinen Filmen, auch hier wäre sogar eine Nominierung unberechtigt.

Und zu guter Letzt wäre noch die Makeup-Kategorie – ja dann…

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