Lion – Filmkritik

Oscar-Kandidat Lion zeigt die Suche eines Adoptierten nach seinen Wurzeln auf eindrückliche Weise. Ein absolut sehenswerter Film und empfehlenswert für alle, die sich ihrer Tränen im Kino nicht schämen.

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Bewertung: 9/10
Kurz: Ein Film zum Heulen. Und das ist gut so.
Kinostart: 16. Februar 2017

Während sein Bruder zur Arbeit muss, schläft der 5-jährige Saroo auf der Suche nach etwas Essbarem in einem abgestellten Zug ein. Und erwacht erst wieder, als der Zug bereits in voller Fahrt Richtung Kalkutta ist. Wie kommt Saroo wieder zurück zu seiner Familie, ohne dass er seinen Familiennamen oder den genauen Wohnort kennt? Nach einigen Wochen auf der Strasse der Millionenstadt landet er in einem Waisenhaus, wird später von einem australischen Ehepaar adoptiert. 20 Jahre später möchte er endlich wissen, was aus seiner indischen Familie geworden ist.

Keine Spannung, keine Langeweile

Lion ist die Verfilmung des Romans «A long way home» und beruht auf einer wahren Begebenheit. Das macht ihn nicht wirklich leichter erträglich. Zwar wird dem Film in manchen Kritiken vorgeworfen, ein bisschen zu extrem auf die Tränendrüsen der Zuschauer zu zielen. Aber was soll man machen, wenn die Geschichte nun mal so war?

Aufgrund des Trailers habe ich nicht allzu viel vom Film erwartet, ging ihn vor allem aufgrund seiner Oscar-Nominierungen schauen – und wurde mehr als positiv überrascht. Bei den fast zwei Stunden kam niemals Langeweile auf. Es gibt zwar auch keine besondere Spannung. Aber die Geschichte fesselt, die Schauspieler ziehen mit, jede Szene sitzt und jede Erzählung macht Sinn. Fast ohne überflüssige Nebengeschichten. Inzwischen eine Seltenheit in Hollywood. Und eine Wohltat. Gleichzeitig gelingt es Lion auch gesellschaftliche Fragen auf feinfühlige Art aufzuzeigen: Was hat eine Adoption für Auswirkungen auf alle Beteiligten? Was erleben Adoptierte, was Adoptiveltern?

Alles in allem ein absolut sehenswerter Film und empfehlenswert für alle, die sich der einen oder anderen Träne im Kino nicht schämen.

Oscar-Chancen

Mit diesem Film habe ich mich im Voraus der Oscar-Nominierungen kaum auseinandergesetzt. Zwar wurde er schon früh als grosser Oscar-Kandidat gehandelt, zum Beispiel von Filmstarts.de oder «Indiwire». Aber irgendwie kann ich Filme mit Nicole Kidman einfach nicht mehr ernst nehmen.

Die tatsächlich erhaltenen sechs Nominierungen sind aber tatsächlich gerechtfertigt. Zumindest fünf – eine Nominierung geht ja an Nicole Kidman und ihren Schönheitschirurgen… Dev Patel als bester Nebendarsteller legt aber eine Oscar-reife Leistung hin. Regisseur Garth Davis und Drehbuchautor Luke Davies schaffen ausserdem einen stimmigen Spannungsbogen – auch ohne Spannung. Nominierungen fünf und sechs gabs für die Kameraarbeit und die Filmmusik, beides ebenfalls absolut verdient. Und die Chancen?

Tatsächlich wird es wohl so herauskommen, dass Lion mit keinem einzigen Oscar nach Hause geht. Denn so gut der Film auch ist: In allen Kategorien gibt es Konkurrenz, die einfach nochmals ein wenig besser ist. Angefangen bei Mahershala Ali als Nebendarsteller in Moonlight über La La Land bei der Kameraarbeit und Filmmusik bis hin zu – OK, Viola Davis und Nicole Kidman müssen wir nicht vergleichen.

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